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Geschichtlicher Hintergrund zum BRABAND

Klein, aber fein- das ehemalige Trafohäuschen am Alsterdorfer Damm

Der Alsterlauf vor einhundert Jahren: unterhalb der Fuhlsbütteler Schleuse schlängelte sich der Alsterfluss in vielen Windungen durch eine ausgedehnte Wiesenlandschaft, vorbei an tief hängenden Weidenbäumen und knorrigen Eichen. Außer der Alsterüberbrückung bei der Fuhlsbütteler Schleuse im Norden, und der Straßenbrücke bei der Eppendorfer St. Johanniskirche im Süden, gab es nur noch eine Flussüberquerung: in den Jahren 1834/1835 entstand der aufgeschüttete Alsterdorfer Damm mit einer schmalen Holzbrücke, die die jahrhundertalte Alsterfurt ersetze. Sie verband die kleine Ortschaft Alsterdorf mit der Kielerchaussee  (heute Alsterkrugchaussee) beim Gasthaus „Alsterkrug“. Die Alsterniederung wurde regelmäßig bei Schneeschmelze und Regen vom oberen Zuflussgebiet durch die herabströmende Wassermengen überschwemmt, und konnte daher nur als Weideland genutzt werden. 

Um die Jahrhundertwende zählte das abgelegene Alsterdorf zusammen mit den Bewohnern der Alsterdorfer Anstalten rund 2100 Einwohner. Immer mehr Menschen arbeiteten und wohnten in den Städten. Die Hafen- und Kaufmannsmetropole Hamburg wuchs zu einer Großstadt heran. Durch den Anschluss an das öffentliche Nahverkehrsnetz und den Bau von Häusern und Siedlungen, änderte sich der dörfliche Charakter der Vororte. Die feuchten Wiesen an der Alsterniederung waren als Bauland völlig ungeeignet. Der Senat und die Bürgerschaft beschlossen den oberen Alsterlauf kanalisieren zu lassen, um trockenes Bauland für anspruchsvolle Einzelwohnhäuser zu schaffen. Sie beauftragten die zuständigen Behörden mit der Erstellung eines Bebauungsplanes.

Alsterkanalisierung

Im Herbst 1909 trat Architekt Fritz Schumacher das Amt des Leiters des Hochbauwesens an. Wie nützlich und zukunftweisend diese Entscheidung für Hamburgs weitere städtebauliche Entwicklung war, zeigte sich bereits bei seinen ersten großen Planungs- und Bauaufgaben. 

In den Jahren von 1914 bis 1928 wurde der Alsterlauf zwischen den Stadtteilen Eppendorf und Fuhlsbüttel auf einer Länge von 4,8 km kanalisiert. Die Uferanlagen und beckenartigen Erweiterungen wurden mit Mauern aus Bruchsteinen eingefasst und das neue Straßennetz mit  Brücken über die Alster verbunden. Einzelwohnhäuser und Villen in Backsteinbauweise prägten und prägen den grünen Vorort.

Die umfangreichen Erdarbeiten begannen am nördlichen Teilstück im Mai 1914. Sie schritten jedoch nur langsam nach Kriegsausbruch voran, bis sie im Jahre 1917 aus Mangel an Arbeitern und Material zeitweilig ganz eingestellt werden mussten. Nach Ende des 1.Weltkrieges war die Situation in Hamburg grundlegend verändert: Inflation und Wirtschaftskrise verzögerten die Fortführung der Arbeiten und erst im Jahre 1928 konnte das gesamte Kanalisierungs- und Bebauungsprojekt mit der Aufnahme der Alsterdampfschiffahrt vom Jungfernstieg nach Fuhlsbüttel zum Abschluss gebracht werden.

Der ursprüngliche Bebauungsplan, des im Jahre 1924 zum Oberbaudirektor ernannten Fritz Schumacher, sah auch den Bau öffentlicher Gebäude entlang der Alster vor. Es wurden jedoch nur die Feuerwache an der Alsterkrugchaussee, die Freibäder Ohlsdorf und Lattenkamp, sowie das hier beschriebene Transformatorenhäuschen realisiert.


Transformatorenstation

Der Klinkerbau der ehemaligen öffentlichen Toilette mit Transformatorenstation(*) wurde im Jahre 1919 errichtet. Das zweigeschossige Haus liegt direkt an der Brücke des Alsterdorfer Dammes und Ecke Brabandstraße. Die Trafostation bildet mit der Bruchsteinmauer, der Treppenanlage und der bereits vier Jahre zuvor errichteten Brücke eine bauliche Einheit und schmiegt sich an das abfallende Flussufer. Von der Straßenansicht zeigt sich das Gebäude als ein eingeschossiges Gebäude mit gleich geneigten Walmdach. Aus dem Blickwinkel von der Alsteransicht dagegen erscheint der Bau größer, in dem neben der Toiletten und der Trafoanlage noch Nebenräume für Gartengeräte untergebracht waren.

Je drei halbkreisförmige Bogenfenster an allen oberen Gebäudeseiten und einigen inzwischen zugemauerten größeren Fenstern dienten zur Belichtung und Belüftung.

Das gesamte Ensemble mit dem Brückenbauwerk wurde im Sommer 1991 vom Denkmalschutzamt unter Denkmalschutz gestellt. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass in den Jahren nach Aufgabe seiner ursprünglichen Nutzung, dem Haus ein langer Zeitraum des Leerstandes und des Verfalls beschieden war. Seit Jahren fristet das ehemalige Trafohaus ein Dasein, das seinem Erbauer nicht im Entferntesten zur Ehre gereicht wird.

Dank der Idee und der unternehmerischen Initiative werden die Herren Pentzin ihren Plan umsetzen, und das verwahrloste Klinkerhäuschen in ein Bistro & Weinbar mit Gartenrestauration umwandeln. Eine sinnvolle Nutzung. Im Sommer 2010 können wir uns am grünen Alsterlauf auf ein modernes Bistro im alten Backsteinkleid freuen- Fritz Schumacher hätte es sicher auch getan!


(*Zur Erläuterung:

In einer Transformatorenstation, auch Umspannstation, Netzstation oder kurz Trafostation genannt, wird die Elektrizität des regionalen Verteilernetzes mit einer Spannung von 10 bis 36 kV (Mittelspannung), auf die im Ortsnetz verwendeten 400/230 Volt (Niederspannung) zur Versorgung der Niederspannungskunden transformiert, d.h. umgewandet.

Wir danken ganz herzlich dem Autor Herrn Dirk Schürer der diese Historie für uns recherchiert und zusammengestellt hat.